Frauen der Anarchie

"... dennoch ist die Aussage wohl nicht zu gewagt, daß sich die anarchistische Bewegung in "der Frauenfrage" wohl kaum von anderen Bewegungen positiv unterscheidet. Frauen hatten es in ihr schwer, waren in der Minderheit, wurden mit ihren Anliegen selten ernst genommen.

Theoretisch wurden ihre "anarcha-feministischen" Ideen zwar meistens begrüßt. Sobald sie aber anfingen, praktische Konsequenzen einzufordern, stießen sie bei den Männern meist auf zähen, passiven Widerstand. Die Männer trugen zwar die glühende Freiheitsliebe im Kopf, behielten aber den Patriarchen im Bauch.

Oft wurden die libertären Frauenbewegungen einfach zur "Unterstützung der Gesamtbewegung" vereinnahmt und nur so lange begrüßt, wie sie diese nicht in Frage stellten. (...) Für Selbstzufriedenheit gibt es also keinen Anlaß. Die Behauptung, unter Anarchisten sei Frauenemanzipation kein Thema, weil die globale Freiheit die der Frauen automatisch mit einschließe - wofür Emma Goldman das personifizierte Beispiel sei - führt zu nichts weiter als zu einer Mythenbildung, die der Bequemlichkeit vieler Männer entspricht und sie davor bewahrt, vieles zu ändern, was zu ändern wäre."

(aus dem anarchistischen Wandkalender von 1991 "Frauen der Anarchie",
Hrsg: AnArchiv, Hauptstr. 118, 67433 Neustadt/Weinstraße)

Für den oberen Abschnitt würde ich, als heute lebende Anarchistin, nicht die Vergangenheitsform wählen. Die Köpfe sind hart, die Bäuche gut verschlossen. Wenn konkrete persönliche Veränderungen anstehen, bleibt auch heute all zu oft nur die "schöne" Theorie.

Das Persönliche ist politisch !!!

(1994)


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