„Den Tagen, die da kommen, gewachsen sein“
(Zenzl Mühsam)

Das war der Titel einer Veranstaltung in Berlin Ende September 2005, die von den Las Loccas, einer anarcha-feministischen Frauen/Lesben-Gruppe, organisiert worden war. Der Beitrag zu Zenzl Mühsam, der Frau des anarchistischen Schriftstellers Erich Mühsam, wurde von Uschi Otten - freischaffende Autorin, Dramaturgin und Regisseurin - vorgetragen.

Das Leben der Zenzl Mühsam ist im Gegensatz zu ihrem Mann und anarchistischen Schriftsteller Erich Mühsam selbst vielen AnarchistInnen nicht bekannt,.

Erich Mühsam wird in der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1934 im Konzentrationslager Oranienburg von SS-Leuten ermordet. Zur Erinnerung: 1918/19 in der kurzen Zeit der Bayrischen Räterepublik wird Erich Mühsam verhaftet und zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. Nach seiner Entlassung zieht er nach Berlin. Dort wird er am 28. Februar 1933 erneut verhaftet.

 Zenzl Mühsams Leben

Schon zu Zeiten seiner Teilnahme an der Bayrischen Räterepublik ist Zenzl Mühsam seine eifrigste Mitstreiterin und wird zeitweise ebenfalls verhaftet und inhaftiert. Sie wird aber sehr bald wieder freigelassen und organisiert von da an für alle politischen Gefangenen, die an der Bayrischen Räterepublik beteiligt waren, Hilfen und setzt sich für deren Amnestierung ein.

Sie organisiert Nähstuben für die „Russland-Hilfe“ und nimmt am ersten Kongress der „Roten Hilfe„ in Berlin teil. Dort lernt sie die ehemalige Sekretärin von Lenin, Helene Stassowa, kennen. Am 28. April 1923 schreibt sie einen Brief an Lenin mit der Bitte, Erich Mühsam nach Russland zu holen. Dies geschieht nicht. Nach der Entlassung Erich Mühsams nach 6 Jahren Festungshaft führte dies dann zu dem Umzug von München nach Berlin .

Ihr erster Wohnsitz in Berlin war bei den KPD-Mitgliedern Fritz Weigel und Willi Münzenberg in Berlin-Charlottenburg, nachdem Zenzl und Erich Mühsam von Wilhelm Pieck und der „Roten Hilfe“ auf dem Anhalter-Bahnhof begrüßt wurden. Es folgte ein erneuter Umzug 1927 nach Berlin-Britz in die von Bruno Tauts erbauten Hufeisensiedlung. Dort erfolgt dann die erneute Verhaftung von Erich Mühsam am Morgen des 28. Februar 1933.

 Flucht und Leidensweg beginnen.

Nach der Ermordung von Erich Mühsam bringt Zenzl den Nachlass von Erich Mühsam in die Obhut von Ernst Simmerling. Sie selbst fährt nach Dresden. Am 15. Juli 1934 überschreitet Zenzl die Grenze zur damaligen Tschecheslowakei. Im September gleichen Jahres wird mit Hilfe des Buchhändlers Fritz Picard und dem tschechischen Presseattaché Camill Hofmann der Nachlass im Diplomatengepäck nach Prag gebracht. Noch vor der Beisetzung traf Zenzl mit Erich Wollenberg zusammen und berichtete vor internationalen Journalisten über deutsche Konzentrationslager. In die Zeit fällt auch die Testamentseröffnung, in der Erich Mühsam Rudolf Rocker als Mitherausgeber seines Nachlasses bestimmt und als Mithelfer Zenzls.

Nach dem Zenzl mehrfach das Angebot, in die Sowjetunion zu kommen, ablehnte, folgt sie dann doch dem Ruf und geht nach Moskau, um ihrem Neffen Arbeit zu beschaffen. Vorangegangen war dem das Erscheinen einer Broschüre im MOPR–Verlag über den Leidensweg von Erich Mühsam und die Aberkennung der Deutschen Staatsbürgerschaft von Zenzl. Nach ihrer Ankunft am 8. August 1935 hält sie Vorträge über die Greueltaten in Deutschland vor 16.000 Arbeitern. Es folgt im November eine Erich Mühsam-Gedenkveranstaltung, nachdem Zenzl von einer Erholungsreise auf der Krim zurück war .

Im Februar 1936 kommt der Nachlass von Erich Mühsam nach Moskau und wird sowjetischen Behörden übergeben. Zenzl entschließt sich ihren Aufenthalt in Moskau um ein Jahr zu verlängern. Gleichzeitig wird der Nachlass dem Maxim-Gorki-Institut für internationale Weltliteratur übergeben.

 Am 8. April 1936 wird Zenzl Mühsam erstmals wegen ihrer Kontakte zu Erich Wollenberg als „trotzkistischer Spion„ verhaftet. Im Juni gleichen Jahres erkundigt sich André Gide in Moskau nach dem Verbleib von Zenzl Mühsam und wird mit falschen Auskünften abgefertigt. Im Juli unterbreitet Ruth Österreich von Prag aus den Mühsam-Geschwistern in Palästina Aktionsvorschläge für eine Kampagne zur Freiheit für Zenzl. Derweil wird Zenzl in die Festung Butyrka gebracht. Auf Grund internationaler Proteste erfolgt im Oktober 1936 ihre Entlassung mit der Auflage durch den NKWD, nicht in Moskau zu verbleiben.

Im Januar 1937 gibt es eine 2. Verhaftungswelle und gegen Radek einen Prozess, bei dem Feuchtwanger anwesend ist, den Zenzl in seinem Hotel aufsucht. Im Juni kommt es zu einem Vertragsabschluß mit dem Gorki-Institut, bei dem Zenzl für 500 Rubel monatlicher Unterhaltszahlung den Nachlass von Erich Mühsam verkauft. Die Autorenrechte werden ihr zuerkannt.

Um die „Unpolitischen Erinnerungen“ und die „Jolly Gedichte„ herausgeben zu können, forscht Zenzl in Bibliotheken und Instituten.

Im Sommer 1938 beantragt sie ein Visum zur Ausreise nach Amerika. Es ist zu vermuten, dass die Ablehnung deshalb erfolgte, um Berichte zu den stalinistischen Prozessen und Gefangenenbedingungen zu verhindern.

Am 16. September 1939 wird Zenzl erneut wegen „Teilnahme an einer konterrevolutionären Organisation und Agitation“ verhaftet und zu 8 Jahren Arbeitsbewährungslager verurteilt. Noch im September wird sie ins Lager Nr. XV (Potma, Mordwinische ASSR) gebracht. Im Dezember wird sie nach Moskau zurückgebracht und in Auslieferungshaft  genommen. In der Butyrka trifft Zenzl Mühsam auf andere deutsche Frauen aus dem Gulag, die ebenfalls auf ihre Auslieferung an die Gestapo warten. Es sind u. a. Carola Nehr und Margarete Buber-Neumann.

Im Oktober 1940 wird sie in das Lager Nr. III (Jawas, Mordwin, ASSR) gebracht, um im November 1946 in die Verbannung nach Koltschinowa bei Nowosibirsk verschickt zu werden, den sie nicht verlassen darf. Im März des darauf folgenden Jahres erkennt sie ein Eisenbahner und schmuggelt sie nach Moskau, wo sie in dem Hotel LUX wohnt bis sie dort auf Grund einer Denunziation  den Behörden gemeldet und der Aufenthalt in Moskau ihr verboten wird. Aus welchem Grund auch immer, aber sie wird nicht an die Gestapo ausgeliefert. Im Gegenteil, ihr wird die Ausreise nach Deutschland verboten. Sie geht nach Iwanowo bei Moskau und arbeitet dort in einem Kinderheim. Dort wird sie im Oktober 1949 erneut verhaftet und verbannt, wo sie bei der wolgadeutschen Familie Götting in Jelanka, Omsker Gebiet, lebt.

Nach dem Tod Stalins im Jahr 1953 wird Zenzl am 6.August 1956 entlassen und geht wieder zurück in das Kinderheim. Ihr deutscher Pass wird ihr im März 1955 zurückgegeben. Am 27. Juni kommt Zenzl in Berlin, der damaligen Hauptstadt der DDR an, um von dort an in der DDR ihr Leben zu verbringen. Ihr wird eine Ehrenrente von Erich Mühsam zuerkannt und eine eigene Rente.

Im Juli 1956 findet eine feierliche Übergabe von 94.000 Mikrofilm-Kopien des Mühsam-Nachlasses vom Gorki-Institut an die Akademie der Künste in Berlin statt. Zenzl beginnt ihren Kampf um eine Veröffentlichung des Nachlasses in der DDR. Im Ostberliner „Klub der Kulturschaffenden“ organisiert Zenzl zu Mühsams 80. Geburtstag eine Gedenkveranstaltung. Im Verlag „Volk und Welt“ erscheint eine stark gekürzte Auswahl der Gedichte von Erich Mühsam.

Im Juli 1959 hebt das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks das frühere Urteil gegen Zenzl Mühsam wegen des Fehlens von verbrecherischer Handlungen auf . Es erfolgt eine Rehabilitation der Urteile von 1936/38. Die Rehabilitation der Verurteilung 1949 erfolgt erst nach ihrem Tod. Sie stirbt schwer krank 78-jährig am 10. März 1962 an Lungenkrebs.

Zenzl Mühsam bekam zwar eine staatliche Auszeichnung der DDR in Form einer Medaille als Kämpferin gegen den Faschismus und auch einen vaterländischen Verdienstorden in Silber, aber sie hatte auch den Staatssicherheitsdienst (kurz Stasi) zu „Gast“. Dieser forderte von ihr für die Stase Spitzeldienste zu leisten, was aber von Zenzl Mühsam nie realisiert wurde. Die Stasi hatte damals ein starkes Interesse zum Schutz der "sowjetischen Brüder" nichts über den Gulag und seine Bedingungen an die Öffentlichkeit kommen zu lassen.

Da Erich Mühsam in Westberlin auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt war, wurde Zenzl Mühsam in Ostberlin auf dem Friedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Erst im Jahr 1992 fand eine Umbettung der Urne von Zenzl Mühsam in das Grab von Erich Mühsam statt.

In Berlin gibt es jedes Jahr eine große Gedenkveranstaltung zu Erich Mühsam. Aber seine Frau, die ein ganz eigenständiges politisches Leben und einen langen Leidensweg hatte, wird dabei kontinuierlich übersehen. Ohne Zenzl Mühsam wäre der Nachlass von Erich Mühsam niemals nach Deutschland zurückgekommen. Eine vollständige Veröffentlichung hätte es nicht geben können. Das ist der Verdienst von Zenzl Mühsam. Das und ihr Leben öffentlich zu machen war das Anliegen der Frauen/Lesbengruppe „Las Loccas“ aus Berlin.


Veranstalterin

Als anarchafeministische Frauengruppe Las Loccas haben wir uns 1994 in Berlin zusammengetan, um eine Ausstellung über Anarchistinnen neu zu gestalten. Seitdem haben wir immer wieder Veranstaltungen zur Geschichte revolutionärer Frauen im Cafe El Locco gemacht; einem libertären Cafe mit Ausstellungs-, Kino- und Diskussionsräumen.

Seit 1999 existiert das El Locco als kontinuierlicher Veranstaltungsort leider nicht mehr, so dass wir seitdem Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten organisieren.

Lesungen, Filme, Vorträge über:

- Frauen der Pariser Commune (Louise Michel) (Dezember 1994)

- Emma Goldmann (Dezember 1994)

- Ausstellung mit 4wöchiger Veranstaltungsreihe zu Isolationshaftbedingungen politischer Gefangener (überwiegend Frauen) (1995)

- Flora Tristan (September 1995)

- Simone Weil (April 1996)

- Qiu Jin (September 1996)

- Boxcar Berta (März 1997)

- Puhlan Devi  (März  1998)

- Clara Thalmann (November 1999)

- Lesung mit Antje Schrupp: „Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin - Frauen in der Ersten Internationale“ (Oktober 2001)

- Lesung mit Silke Lohschelder: „Anarchafeminismus –Auf den Spuren einer Utopie“ (März 2003)

- Bildungsseminar in Potsdam in Zusammenarbeit mit der Gruppe „HOCHvier“ zu Anarchafeminismus und Mujeres Libres (März 2005)

- Überarbeitete Neuauflage der Bilderausstellung von 1994 „Revolutionäre Anarchistinnen und Sozialistinnen“ (März 2005)

Unterstützung anderer Ausstellungen und Veranstaltungen:

- Kongress „Ya basta!“ zu den Zapatistas

- Ausstellung und Veranstaltungsreihe „Mädchenkonzentrationslager Uckermark“


Erich Mühsams Lebensweg

1878
Am 6. April als drittes Kind des Apothekers Siegfried Seligmann Mühsam und seiner Frau Rosalie geb. Cohn in Berlin geboren.

1879
Übersiedlung der Familie nach Lübeck.

1896
Mühsam veröffentlicht eine Glosse über den Direktor des Katharineums im sozialdemokratischen "Lübecker Volksboten" und wird wegen "sozialistischer Umtriebe" relegiert. Er beendet die Schule mit Untersekunda und Reifezeugnis in Parchim.

1898
Erste Aufsätze und Gedichte werden veröffentlicht.

1899
Tod der Mutter. Arbeit als Apothekergehilfe in Lübeck und in Blomberg/Lippe.

1900
Übersiedlung nach Berlin.

1901
Mühsam wird freier Schriftsteller und Bohemien; Anschluss an die Neue Gemeinschaft; Beginn der Freundschaft mit Gustav Landauer.

1902
Nimmt Quartier in Friedrichshagen bei Berlin, Redakteur des "Armen Teufels", Auftritte als Kabarettist in Berlin, erste Kontakte zu anarchistischen Gruppen.

1903
Lebt in Berlin-Charlottenburg; wird als anarchistischer Agitator unter ständige Polizeiaufsicht gestellt, erste selbständige Veröffentlichung: "Die Homosexualität. Ein Beitrag zur Sittengeschichte unserer Zeit", Singer Verlag Berlin.

1904
Beginn der "Wanderjahre". Reisen mit Johannes Nohl in die Schweiz (Zürich, Ascona) und durch Norditalien. Zusammen mit Hans Heinz Ewers: "Billys Erdengang. Eine Elephantengeschichte für artige Kinder. Verse von Onkel Franz", Globus Verlag Berlin. Erster Gedichtband: "Die Wüste", Eißelt Verlag Berlin.

1905
Längerer Sommeraufenthalt in Ascona.
"Ascona. Eine Broschüre", Verlag Birger Carlson, Locarno.
"Die Psychologie der Erbtante. Eine Tantologie aus 25 Einzeldarstellungen als Beitrag zur Lösung der Unsterblichkeitsfrage", Schweizer Druck- und Verlagshaus Zürich.

1906
Wegen Verbreitung eines Flugblatts in Berlin zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Aufenthalt in Wien. Bekanntschaft mit Karl Kraus. "Die Hochstapler. Lustspiel in vier Aufzügen", Piper Verlag München.

1907
Aufenthalte in Paris, München, in Italien und der Schweiz. Liebesbeziehung zu Frieda Gross.

1908
"Die Jagd auf Harden" (Streitschrift), Neuer biographischer Verlag Berlin.

1909
Mühsam wird in München sesshaft. Gründung der "Gruppe Tat" zur Propagierung der Ideen des Sozialistischen Bundes. "Der Krater" (Gedichte), Morgen Verlag Berlin.

1910
Verhaftung unter Anklage der Geheimbündelei; Freispruch. Kuraufenthalt in der Schweiz.

1911
"Kain. Zeitschrift für Menschlichkeit", Kain-Verlag München. Erscheint monatlich von April 1911 bis Juli 1914.

1912
"Kain-Kalender für das Jahr 1912", Kain-Verlag München.

1913
"Kain-Kalender für das Jahr 1913", Kain-Verlag München.

1914
"Die Freivermählten. Polemisches Schauspiel in drei Aufzügen", Kain-Verlag München.
"Wüste-Krater-Wolken. Die Gedichte von Erich Mühsam", Verlag Paul Cassirer Berlin.
Nach Kriegsausbruch nur noch wenige Presseveröffentlichungen.

1915
Mühsam nimmt Kontakte zu Pazifisten und linken Sozialdemokraten auf, um einen Aktionsbund gegen den Krieg zu gründen.
Juli: Tod des Vaters.
September: Hochzeit mit Kreszentia Elfinger.

1916
Teilnahme an Hunger- und Protestdemonstrationen in München. Mühsam propagiert die revolutionäre Beendigung des Krieges; Annäherung an die Spartakus-Gruppe.
Beginn der Niederschrift von "Abrechnung" (Abhandlung zur Kriegsschuldfrage).

1917
Mitarbeit im Gesprächskreis Kurt Eisners (USPD). Nach der Oktoberrevolution in Russland tritt Mühsam in linke Opposition zu Eisner.

1918
Im Münchner Januarstreik der Munitionsarbeiter ruft Mühsam zur Revolution auf.
März: Einberufung zum "Vaterländischen Hilfsdienst". Nach Verweigerung Zwangsaufenthalt in Traunstein.
3. November: Rückkehr nach München.
7. November: Ausrufung der Revolution in München durch Eisner.
Führende Mitwirkung im Revolutionären Arbeiterrat (RAR), Kampf um die Durchsetzung des Rätesystems.
18. November: Mit einem Flugblatt beginnt das Wiedererscheinen von "Kain" (9 Nummern bis 25. April 1919).
30. November: Mühsam gründet die Vereinigung Revolutionärer Internationalisten (VRI) zur Radikalisierung der Rätebewegung. Zusammenarbeit mit der Spartakusgruppe.

 

1919
28. Februar: Mühsam fordert auf dem Münchner Rätekongress die Schaffung einer bayerischen Räterepublik, erlangt aber keine Mehrheit.
7. April: führend an der Gründung der 1. Räterepublik beteiligt. Mühsam versucht, revolutionäre Dekrete durchzusetzen.
13. April: bei einem Putschversuch der Republikanischen Schutztruppe verhaftet (Zuchthaus Ebrach).
7. bis 12. Juli: Hochverratsprozess vor dem Münchner Standgericht; Verurteilung zu 15 Jahren Festungshaft. Haftantritt in Ansbach.
September bis November: Mitglied der KPD. Austritt nach Verkündigung der "Heidelberger Leitsätze."
Mühsam wird Opfer einer mehrjährigen Diffamierungskampagne kommunistischer Mithäftlinge.
"1919. Dem Andenken Gustav Landauers" (Dichtung), Verlag Leon Hirsch, Berlin.

1920
Überführung in die Festungshaftanstalt Niederschönenfeld.
"Brennende Erde. Verse eines Kämpfers", Kurt Wolff Verlag, München.
Mühsam verfasst "Judas. Ein Arbeiterdrama" (Der Malik Verlag Berlin 1921), "Die Einigung des revolutionären Proletariats im Bolschewismus" (1920/22 in: "Die Aktion") und "Von Eisner bis Leviné" (1929 im Fanal-Verlag Berlin).

1921
März: Uraufführung "Judas" in Mannheim.
Drei Monate Gefängnishaft wegen Beleidigung des bayerischen Justizministers Müller-Meiningen.
Beginn der Niederschrift des Romans "Ein Mann des Volkes".

1923
"Das Standrecht in Bayern" (Streitschrift), Vereinigung internationaler Verlagsanstalten Berlin.

1924
21. Dezember: Haftentlassung auf Bewährung. Wohnsitz in Berlin-Charlottenburg.

1925
Intensive Vortrags- und Reisetätigkeit für die Rote Hilfe Deutschlands (RHD), Häftlingsbetreuung; Kampf gegen Klassenjustiz und um Verbesserung der Haftbedingungen.
Ausschluss aus der Föderation kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD) wegen seiner Zusammenarbeit mit der KPD, danach Wortführer der Anarchistischen Vereinigung Berlin.
"Revolution. Kampf-, Marsch- und Spottlieder", Verlag Der Freie Arbeiter, Berlin.
"Alarm. Manifeste aus 20 Jahren", Verlag Der Syndikalist, Berlin.
"Seenot" (Dichtung), Verlag der Schriften, Wien.

1926
Die Monatszeitschrift "Fanal", Fanal-Verlag Berlin, erscheint ab Oktober (bis Juli 1931). Kritik an Politik und Kultur der Weimarer Republik, Propagierung eines revolutionären Bündnisses "links von den Parteien", Warnung vor dem Faschismus.
"Gerechtigkeit für Max Hoelz!" (Streitschrift), Verlag Rote Hilfe, Berlin.

1927
Mitglied im künstlerischen Beirat der Piscator-Bühne. Umzug in die Hufeisensiedling Berlin-Britz.
Ab September Veröffentlichung der "Unpolitischen Erinnerungen" in der "Vossischen Zeitung" (25 Folgen bis April 1929).

1928
Aufführung "Judas" an der Piscator-Bühne. "Sammlung 1898-1928". J. M. Spaeth Verlag Berlin.
"Staatsräson. Ein Denkmal für Sacco und Vanzetti", Verlag Gilde freiheitlicher Bücherfreunde, Berlin.

1929
Austritt aus der RHD.
April: Uraufführung "Staatsräson" in Berlin. "Von Eisner bis Leviné", Fanal-Verlag Berlin.

1930
Niederschrift des Theaterstücks "Alle Wetter".

1931
Intensive antifaschistische Agitation als Publizist und Redner.
Befristetes Verbot von "Fanal".
Ausschluss aus dem Schriftstellerverband SDS.

1933
"Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat" (Programmschrift), Fanal-Sonderheft, Fanal-Verlag Berlin.
28. Februar: Verhaftung durch SA. Gefängnis Lehrter Straße, KZ Sonnenburg, Plötzensee, KZ Brandenburg. Folterungen und Misshandlungen.
In Plötzensee enstehen "Verse und Bilder für Zenzl".

1934
Ab 2. Februar KZ Oranienburg. In der Nacht zum 10. Juli von SS-Bewachern ermordet.
16. Juli: Beisetzung auf dem Waldfriedhof Berlin-Dahlem.

 

Der Lebensweg Zenzl Mühsams nach der Ermordung Erich Mühsams

1934
Zenzl Mühsam emigriert nach Prag.

1936
Reise in die Sowjetunion auf Einladung der Internationalen Roten Hilfe. Zenzl Mühsam veräußert den schriftlichen Nachlass (Tagebücher, Briefe, Manuskripte) an das Maxim-Gorki-Institut Moskau.

1937
Verhaftung und Aufenthalt in verschiedenen Straf- und Internierungslagern (mit Unterbrechungen) bis 1956.

1956
Rückkehr Zenzl Mühsams nach Berlin-Pankow.

1962
Zenzl Mühsam am 10. März 1962 verstorben.