Grundsätzliche Überlegungen zum Bankrott der Ökobank

Auch wenn diese Nachricht nicht direkt in den Themenkreis des Anarchismus fällt, halten wir die Umorientierung des Institutes für Ökologie weg von der Marktwirtschaft und vom Kapitalismus hin zur Orientierung an Gemeinbesitz und kooperativen Wirtschaftsformen auch für AnarchistInnen für durchaus lesenswert:


Presseinformation zum Bankrott der Ökobank

Untergang der Ökobank ist Symbol für das Scheitern ökokapitalistischer Traumtänzerei

Das Institut für Ökologie (Fachbereich Politik & Wirtschaft) greift die in Zahlungsnot geratene Ökobank sowie viele andere Ökofirmen scharf an: "Seit Jahren wird mit Umweltschutz Profit gemacht!" formuliert Institutsmitarbeiter Jörg Bergstedt seine Kritik. Das Institut weist darauf hin, dass seit ca. zehn Jahren der ursprüngliche und richtige Gegensatz von Profitmaximierung und Umweltschutz verlorengegangen ist. "Heute sind die widerlichsten Konzerne die selbstverständlichsten Partner von Umweltverbänden, wechseln ManagerInnen aus Umweltgruppen von einem Tag auf den anderen in umweltzerstörende Wirtschaftsbranchen und umgekehrt, reden grüne UmweltpolitikerInnen von einer sanften Revolution in Sachen Umweltschutz in den Firmen - das alles ist nur Lug und Trug. Es verschleiert, dass die Ausbeutung von Mensch und Natur ungebrochen fortschreitet, heute sogar weltweit und mit modernster Technologie", heißt es in der Kritik weiter. Anlass für die Kritik ist der Zusammenbruch der Ökobank. Der Zusammenbruch sei direkte Folge der ausschließlichen Orientierung am Profit. Immer größere Projekte wurden begonnen mit immer größeren Profitversprechungen. So konnte das Scheitern nur weniger, aber sehr großer Projekte die Ökobank ruinieren.

In einem Kommunique "Ökologie und Ökonomie sind unvereinbar!" fordert das Institut eine andere Ausrichtung von ökologischem Wirtschaften, weg von Markt- und Profitorientierung. Für das Bankgeschäfte und die aufgrund der Veränderungen bei der Ökobank nötigen Prozesse fordert Bergstedt vom Institut für Ökologie weitgehende Konsequenzen. Statt Profit soll in Zukunft die Akzeptanz bei den BürgerInnen einer Region im Vordergrund von Investitionen stehen. Nicht mehr für den Markt, sondern für konkrete Bedürfnisse soll produziert werden. Kooperative Lösungen sind Konkurrenz zu bevorzugen. Und: "Wichtig ist, dass nicht wieder die Boecke sich selbst zum Gärtner machen. Wer wegkommen will von Profitorientierung, muss sich von den Menschen lösen, die in den letzten Jahren genau diese durchgesetzt haben. Weg mit den ÖkokapitalistInnen aus Ökobanken, Firmen, Institutionen und Verbänden", ist aus dem Institut zu hören.

Hinweise: Diese Presseinfo und das nachfolgend dokumentierte Kommunique dürfen honorarfrei abgedruckt werden.

Für weitere Informationen, Interviews usw. steht Jörg Bergstedt unter 06401/903283 oder 0171/8348430 bereit.

Weitergehende Informationen:
- http://go.to/umwelt
- Medienpaket "Agenda, Expo, Sponsoring": Band 1 - Recherchen im Naturschutzfilz, Band 2 - Perspektiven radikaler, emanzipatorischer Umweltschutzarbeit, CD mit Quellen und Dokumenten. IKO-Verlag Frankfurt.


Umweltschutz-von-unten-Kommunique Nr. 1:

Ökologie und Ökonomie sind unvereinbar!

Positionen gegen die Marktverwertung von Umweltschutzideen und -engagement aus Anlass des Bankrotts der Ökobank und ihrer Idee des Ökokapitalismus

"Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber schnell, dass Verwertung, Profit und das Mittel Marktwirtschaft mit Umweltschutz grundsätzlich nicht vereinbar sind. Profitorientierter Umweltschutz ist nur möglich, wenn die Ökologie reduziert wird auf ihre Funktion als Wirtschaftsfaktor. Rohstoffe sind Produktionsmittel, eine "nachhaltige Nutzung" verspricht längeren Profit als die Ausbeutung zu einem schnellen Ende. Wenn ein Rohstoff doppelt so lange hält, bietet er die Grundlage für deutlich längere Profit- und Ausbeutungszeiten sowie mehr Sicherheit, dass in der Zeit entweder moderne Verfahren zur Ausbeutung weniger optimaler Quellen oder Ersatzstoffe gefunden werden. Insofern beinhaltet auch das Konzept der Nachhaltigkeit nichts anderes als ein profitorientiertes Ziel. Der Schutz der Umwelt soll zum Zwecke der längeren Ausbeutung erfolgen. Dem stehen sogar schon die geltenden Umweltschutzbestimmungen entgegen. Im Naturschutzgesetz wird der Schutz der Natur als Lebensgrundlage des Menschen oder um ihrer selbst willen eingefordert. Wirtschaftlicher Nutzen dagegen ist nicht als grundlegendes, sondern höchstens als zusätzliches Teilziel formuliert. Dabei ist der freie und gleichberechtigte Zugriff aller Menschen auf die Umwelt die Voraussetzung dafür, dass die Umwelt als Lebensgrundlage der Menschen dienen kann. Eine Demokratisierung des Flächen- und Rohstoffverbrauchs stände ökonomischen Zielen (Profit, Kapitalanhäufung, Marktdominanz usw.) aber grundlegend entgegen.

Ökonomische Orientierung und ökologische Ziele sind daher unvereinbar, denn Profitorientierung steht dem Zugriff der Menschen auf "ihre" Lebensgrundlagen entgegen. Wer mit marktwirtschaftlichen Mitteln die Umwelt schützen will, degradiert die Umwelt zum Produktionsfaktor für den Profit. Das genau aber hat die Zerstörung der Umwelt im wesentlichen verursacht. Ökosteuern, Öko-Audit usw., d. h. die Vermarktwirtschaftlichung des Umweltschutzes (Ökoneoliberalismus) ist wie das Löschen eines Feuers mit Öl - zudem verbunden mit dem Vorschlag, die BrandstifterInnen als Chefetage beim Löschen vorzuschlagen."

(Zitat aus: Gruppe Gegenbilder (2000, erscheint Anfang August): "Freie Menschen in freien Vereinbarungen")

Wir fordern:

Das Scheitern der Ökobank, hervorgerufen durch sogenannte "Wertberichtigungen" bei teuren Anlageprojekten (Windparks, Öko-Grosskaufhaus Rommelmuehle), ist ein deutliches Warnsignal zu einer Fehlentwicklung der letzten 10 Jahre. Bis ca. 1990 galten die Verwertungslogik, Profitstreben und Ausbeutung als Gegensätze. Seitdem setzt sich immer stärker durch, den Markt und die Unternehmen zu den wichtigsten Ausführenden des Umweltschutzes zu machen. Gesetze und Steuern werden darauf angepasst. Verändert hat sich seitdem nur zweierlei: - Ausbeutung, Wirtschaftswachstum, Flächenverbrauch und Modernisierung schreiten in einem nie zuvor gekannten Ausmaß voran - und zwar nun weltweit. - Die professionellen Werbeabteilungen der Wirtschaft sowie ihre Erfüllungsgehilfen in Parteien und Umweltorganisationen verklären diese Tatsache jedoch und schmücken die sich ausweitende Verwertung von Mensch und Natur mit Begriffen wie "Nachhaltigkeit" oder "qualitatives Wachstum".

Der Zusammenbruch der Ökobank ist eine Folge dieser Politik. Allerdings nur eine besonders auffällige. Schlimmer noch sind die Ökofirmen, die auf dem Markt überleben, in dem sie sich immer mehr der Verwertungslogik und Profitmaximierung anschließen, und die konventionellen Firmen, die in Ökogeschäften eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit sehen. Atommüll, Giftmüll, normaler Müll, Verkehrslenkung, Staumanagement, Schadstoffmessungen, Energie- und Rohstoffeffizienz sind längst Wirtschaftsfelder geworden, in denen Geld zu machen ist. Profitmaximierung und Verwertungslogik aber heißt immer: - Die Menschen werden zu KonsumentInnen, Arbeitskräften und ZuschauerInnen degradiert. Der "nachhaltige" Teppich wird weiter von Kindern im Trikont geknüpft. Die Rohstoffe werden sparsamer verwendet - damit sie länger halten und somit mehr Profit zu machen ist. - Entdemokratisierung, d. h. den Menschen werden die letzten Beteiligungsmöglichkeiten genommen. Denn Beteiligungsrechte stehen wirtschaftlicher Verwertung entgegen.

Die Mitbestimmung von Menschen bis hin zur Selbstbestimmung ist der einzige Faktor, der der Verwertung von Mensch und Natur entgegenstehen kann. Niemand anders als die Menschen selbst können ihre Belange sowie das Verlangen nach Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und einer lebenswerten Umwelt vertreten. Firmen unterliegen im Markt immer der Notwendigkeit, profitabel zu sein. Das steht Mitbestimmung im Weg. "Dieses amoklaufende totalitäre Wertverwertungssystem kann nur abgeschafft, die "schöne Maschine" kann nur abgeschaltet werden. Die Alternative zur Steuerung der Menschen durch einen Sachzusammenhang ist die Steuerung aller Sachzusammenhänge durch die Menschen. Die totale Bestimmung der Menschen durch den Wert wird abgelöst durch die Bestimmung aller Angelegenheiten der Menschen durch die Menschen selbst. Nur so - und nicht anders - sind die Verheerungen des monströsen Kapitalismus wieder in lebbare Verhältnisse umkehrbar - in Natur wie Gesellschaft. Die selbstbestimmte Entfaltung jedes Einzelnen ist kein freundlicher Wunsch, sondern unabdingbare Rettungsvoraussetzung der Menschheit." (Zitat aus: s. o.)

Für alle Firmen im Umweltschutzbereich, insbesondere aber für die Bereiche ökologischer Geldanlage und Banken, bedeutet dieses:

  1. Messlatte Akzeptanz statt Profit Für alle Projekte im Umweltschutz gilt nicht mehr der Profit als Ziel, sondern die Akzeptanz durch die Menschen. Voraussetzung für ein Projekt ist, dass es von den betroffenen Menschen aus ihrem Willen und ihren Bestimmungsmöglichkeiten heraus entwickelt wurde und umgesetzt wird.
  2. Personelle Beziehungen statt Anonymität Geld ist Macht. Anonyme Geldanlagen in der Hand anderer, die damit wiederum Geld machen sollen (Rendite), stellt einen Machtfaktor ohne Bindung an die konkreten Entscheidungen von und zwischen Menschen dar. Das unterhöhlt direkte Verantwortung und die Unmittelbarkeit von Handeln. Zukünftig müssen Firmen GeldgeberInnen bzw. alle, die Kapital in Form von materiellen oder geistigen Werten bereitstellen, in einen direkten Kontakt zu denen bringen, die damit agieren.
  3. Bedürfnis und Willen statt Markt Wer für den Markt produziert, schafft Werte ohne ein Wissen von Bedarf. Diese Werte müssen im Markt beworben werden, um wieder zu Geld zu werden. Damit unterwerfen sich Firmen den Gesetzen des Marktes. Diese diktieren ständig höhere Werbeausgaben, Konkurrenzen und Kosteneinsparungen bei den Faktoren Mensch (Arbeit) und Natur (Rohstoffe, Umweltbelastung). Um diese Logik zu durchbrechen, müssen Produkte und Projekte jeweils an konkreten Bedürfnissen konkreter Menschen oder der von ihnen gebildeten Organisationen ausgerichtet sein.
  4. Kooperation statt Konkurrenz Im Markt herrscht Konkurrenz. Gefragt aber ist Kooperation, das Sich-Ergänzen und die Orientierung am Zweck, nicht am Profit.
  5. Autonomie statt Abhängigkeit Viele Betriebe sind abhängig von Zuschüssen, Krediten, Rückversicherungen usw. Sie haben sich auf die Logiken der herrschenden Wirtschaftssysteme eingelassen. Stattdessen müssen Firmen ihren Rückhalt in den Menschen finden, die ihre Arbeit unterstützen und die Existenz der Firmen wollen. Ohne diesen Willen kann es keine Ökonomie von unten geben.
  6. Entscheidungen und Firmen dezentralisieren Nicht nur das einzelne Projekt muss auf dem Willen von Menschen basieren - und nicht auf der Hoffnung auf Profit. Auch die Firmen selber müssen Experimentierfeld von Mit- und Selbstbestimmung sein. Materielle Werte, Gebäude, Plätze und Flächen gehören in die Hand vieler, die die Idee mittragen und gestalten. Statt Aktiengesellschaften und Genossenschaften, die vor allem dem Zweck dienen, Kapital zu schaffen, müssen echte Demokratisierungen her - zudem eine hohe Transparenz. Dabei darf das Stimmrecht nicht von der Anlagehöhe abhängen, denn das würde Geld wieder stärken.
  7. Ehrlichkeit statt Show Echte Bilanzen zu den Zielen, die eben nicht Profit, sondern Demokratisierung, Beteiligung und Umweltschutz heißen, müssen kontinuierlich die Geschäftsberichte ausfüllen. Füll- und Modewörter, PR-Kampagnen bis hin zu ökomodernisierter Marktwirtschaft sind kein Aktionsfelder für Umweltfirmen - stoppt Agenda, Nachhaltigkeit, Öko-Audit, Effizienzrevolution, Expo 2000 und mehr.

Für das Schicksal der umweltorientierten Banken:

Gute Beispiele:

NEU: Projektwerkstatt, Tagungshausinfos, Projektelinks usw. im Web !

NEU: http://come.to/projektwerkstatt, Projektwerkstatt Saasen, Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen, 06401/90328-3, Fax -5, 0171/8348430

*Verschiedene Projektgruppen
*Red. Ö-Punkte
*Tagungshaus, Archive, Bibliotheken, WG im Widerstand
*Institut für Ökologie, Fachbereich Wirtschaft & Politik

im Netzwerk "Umweltschutz von unten", http://go.to/umwelt